Polizei bei einer angehenden Razzia, wie sie im Augsburger City Club stattfand

07.02.26 t/redaktion b/markus spiske

City Club Augsburg: Auf Großrazzia folgt solidarische Demonstration

Es ist kurz nach Mitternacht, die Feier im City Club ist in vollem Gange. Basslinien schieben sich durch den Raum, Menschen tanzen, schwitzen, lachen. Ein ganz normaler Samstag in einem der letzten Orte Augsburgs, an dem Subkultur nicht nur geduldet, sondern gelebt wird. Dann kippt die Szene. Türen fliegen auf, Uniformierte stürmen in den Club, Lichter gehen an, die Musik aus.

Am Ende dieser Nacht steht eine der größten Razzien, die Augsburgs Clubkultur je erlebt hat – und wenige Tage später eine Demonstration mit weit über 1000 Teilnehmenden. Dazwischen: Wut, Ohnmacht, Solidarität. Und viele Fragen.

Eine Clubnacht, die Spuren hinterlässt

Allem voran geht ein strafrechtlicher Vorwurf: Verdacht auf Drogenhandel. Ein Narrativ, das in der Clubkultur nicht neu ist und doch jedes Mal wie ein Generalverdacht wirkt. Besucher:innen und Mitarbeitende werden über Stunden festgehalten, kontrolliert, durchsucht. Berichte sprechen von vollständigem Ausziehen und entwürdigenden Situationen, von Angst und Scham.

Rechtsstaatlich mag manches davon gedeckt sein. Moralisch vertretbar wirkt es trotzdem nicht – vor allem dahingehend, dass dem Großeinsatz ein Fund gegenübersteht, der nüchtern betrachtet fast banal wirkt: 170 Gramm illegaler Substanzen wurden sichergestellt. Ist das schon genug, um die Dimension dieses Zugriffs rechtfertigen zu können? Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit steht seitdem im Raum – und wird die Beteiligten noch lange begleiten.

Als wäre das alles nicht schon absurd genug, mischt sich ein weiteres Element in diese Nacht: ein Kamerateam von ProSieben. Während Menschen durchsucht, festgehalten und ihrer Intimsphäre beraubt werden, läuft eine Fernsehkamera mit. Ob daraus später Unterhaltung oder Aufklärung werden soll, bleibt offen. Für die Betroffenen bleibt das unbeantwortete Gefühl öffentlicher Bloßstellung.

Die Reaktion des Clubs

Der City Club ist kein anonymer Raum. Er ist gewachsen, kollektiv getragen, politisch bewusst. Für queere Menschen, für alternative Szenen, für jene, die sich im durchkommerzialisierten und teils männerdominierten Nachtleben oft fehl am Platz fühlen, ist er ein Safe Space, der nach den Geschehnissen anfängt zu bröckeln. Ein solcher Einsatz greift nicht nur einen Club an, sondern ein ganzes Geflecht aus Vertrauen, Selbstorganisation und gelebter Vielfalt. Wenn Menschen, die diesen Ort als Schutzraum begreifen, dort plötzlich Angst erleben, dann bleibt etwas zurück, das sich nicht einfach mit einer Pressemitteilung reparieren lässt.

„Die Privatsphäre und Grundrechte der Menschen, die an diesem Abend im Haus festsaßen, waren plötzlich nicht mehr, was sie sein sollten: unantastbar.“, schreibt der City Club in seiner offiziellen Stellungnahme. Damit distanziert sich das Kollektiv klar von der Darstellung der Behörden und macht deutlich, dass es nicht um eine generelle Ablehnung polizeilicher Ermittlungen geht, sondern um Kritik an einem Vorgehen, das ihre Räume nicht als geschützte kulturelle Orte, sondern als kriminalisierungswürdiges Terrain behandelt hat. Unterstützung kommt aus vielen Ecken, auch aus der Fanszene des FC Augsburg.

„Finger weg von Jugend- und Subkulturen“

Schon in der Nacht der Razzia versammeln sich dutzende Menschen vor dem Club. Spontan, wütend, solidarisch. Doch Augsburg bleibt nicht bei diesem ersten Zeichen. Am Freitagabend darauf füllt sich die Innenstadt. Weit über 1000 Menschen ziehen unter dem Motto „Finger weg von Jugend- und Subkulturen“ durch die Straßen. Aufgerufen haben Kulturinitiativen, politische Gruppen, Aktivist:innen und auch die Ultras des FCA. Diese Mischung ist kein Zufall. Sie zeigt, wie breit die Kritik getragen wird. Hier geht es nicht um einen einzelnen Club, sondern um die Frage, wem die Stadt gehört. Wer sich dort frei bewegen darf. Und wer unter Verdacht steht, sobald er oder sie nicht ins Hochglanzbild urbaner Verwertbarkeit passt.

Die Demonstration bleibt laut und friedlich. Sie ist emotional, aber klar in ihrer Botschaft. In Redebeiträgen wird betont, dass Sicherheit nicht durch Einschüchterung entsteht und dass kulturelle Freiräume kein Luxus sind, sondern Grundlage einer lebendigen Stadt.

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