Fünf unbequeme Fragen an: Stand-up-Comedian Rebecca Pap

Der Weg in die Stand-up-Comedy kommt selten über Nacht – meist besteht er eher aus vielen kleinen Bühnen, langen Abenden und der ständigen Frage, ob das Geld bis zum Monatsende reicht. Auch Rebecca Pap kennt diesen Alltag gut: Über Umwege in der Hauptstadt gelandet, arbeitete sie sich Schritt für Schritt in die Szene. Heute steht sie nicht nur mit ihrem eigenen Programm auf der Bühne, sondern schreibt auch als Autorin für TV-Formate, ist Moderatorin und Podcasterin. Im Interview spricht sie über prekäre Anfänge, Zufälle als Karrieremotor und darüber, warum die Stand-up-Szene hinter der Bühne oft weniger entspannt ist, als sie von außen wirkt.

1. Frage: Du bist in jungen Jahren aus einer hessischen Kleinstadt nach Berlin abgehauen, ohne genau zu wissen, was dich dort erwartet – zwischen Studium, Arbeitslosigkeit und Stand-up-Comedy, wie knapp war es, dass du aus finanziellen Gründen tatsächlich mittellos auf der Straße oder einer befreundeten WG-Couch landest?

Rebecca Pap: Ich habe viele Monate meines Lebens gedacht: mal gucken ob das am Ende reicht. Aber dadurch, dass es schon als Kind so war, kenn ich es gar nicht anders. Ich wünsche niemandem diesen Stress, aber ich hab dadurch auch sehr gut gelernt im Moment zu leben, also wirklich von Woche zu Woche, und das ist eigentlich ein ganz schöner Blick aufs eigene Leben.

Knapp war es eigentlich immer – die einzige Zeit, in der ich mich sicher gefühlt hab, war als ich Bafög bekommen hatte. Da dacht ich mir 'wow' und hatte dieses Gefühl von 'krass, ich hab auf jeden Fall dieses Zimmer und diese 300 Euro jeden Monat'. Das war eigentlich nichts, aber in der Zeit hat es sich angefühlt, als wäre ich reich und frei.

2. Frage: Mittlerweile bist du sowohl mit deinem eigenen Programm als auch als Gagautorin beruflich in der Komedieszene angekommen – wie hast du den Sprung in die Branche geschafft und wer war dein erster hilfreicher Kontakt?

Rebecca Pap: Ich finde Sprung in die Branche ist ein irreführender Ausdruck, weil es klingt nach einem kleinen Moment, der alles verändert. So ist es ja nie oder war es zumindest nie bei mir. Man macht und tut ja wahnsinnig viel und dann hat man ganz viele Abende wo man denkt: heute kommt es drauf an, heute ist die oder der da und das könnte mein Sprungbrett sein! Dann geht die Person nach 20 Minuten und man hat ihr noch nicht einmal gewunken – und dann sitzt man da noch vier Stunden rum und trinkt Wein, obwohl man Wein gar nicht mag und bleibt trotzdem sitzen, weil man nicht schon zum Nachtbus will. So ist es ja viel eher finde ich. Man muss einfach sehr oft da sein und ich war fast immer da, weil ich das, was ich mache, liebe.

Alle großen Karriereschritte von mir sind durch absolute Zufälle entstanden, ganz kleine random Momente – aber sie haben neben ihrer Unwahrscheinlichkeit gemeinsam, dass ich erstmal da war und Bock hatte. Wobei ich schon auch sagen muss, der Ursprung von allem mit Comedy-Bezug war auf jeden Fall falsch, aber lustig. Das war irgendwie das, wo alles anfing. Ich durfte ja schon nach einem halben Jahr dabei sein, das war total aufregend. Davor hab ich alles mit Comedy immer so als 'ja mal gucken' abgespeichert. Und dann war ich da am Set und wusste: das will ich können, das will ich lernen, das soll mein Leben werden. Keine Ahnung warum, alle anderen vor Ort waren gestresst, es war viel zu heiss, ich hab eigentlich nur einsam geraucht, aber irgendwie fand ichs auch cool.

Das ist jetzt im Sommer erst zwei Jahre her, aber fühlt sich an wie eine Ewigkeit – als wären wir zusammen zur Schule gegangen. Das ist mein liebstes Projekt, da sehen wir uns ein paar mal im Jahr alle immer wieder und reden dann über Comedy und was es denn so macht, das Leben. Ich glaub, hätt ich das nicht gehabt, hätt ich auch wieder aufgehört oder zumindest nicht so einen Ehrgeiz entwickelt. Ich glaub man braucht als Künstlerin genau so ein Projekt, durch das man wirklich ankommt, mit Menschen, die man echt mag – und ich bin sehr froh, das irgendwie jetzt schon gefunden zu haben.

3. Frage: Deine Auftritte und das generelle Miteinander im Stand-up-Bereich wirken sehr entspannt und das Umfeld familiär. Wie flach sind die Hierarchien wirklich und wie abhängig ist der/die Einzelne von einem funktionierenden Kollektiv?

Rebecca Pap: Haha, ja spannend – familiär wäre eines der letzten Worte mit denen ich die Stand Up Szene beschreiben würde. Stand Up ist viel Konkurrenz, toxische Machtkämpfe, ausbeuterische Arbeitsstrukturen und diskriminierendes Verhalten. Dafür, dass wir Comedy hauptberuflich machen, ist es Backstage extrem unlustig. Jede*r der oder die was anderes behauptet ist entweder Teil des Problems oder war nicht tief genug drinnen. Ich habe zwar meine Kolleg*innen, die ich sehr schätze, Locations und Produktionen bei denen ich mich wohlfühle, aber das ist leider eher die Ausnahme als die Regel.

Ich kann mich aus diesen belastenden Strukturen mittlerweile oft rausziehen, weil es bei mir gut läuft und ich nicht in finanziellen Abhängigkeiten stecke wie viele andere. Aber so wie sich die Strukturen in der Szene gerade formen und wer Macht besitz, das alles macht mir schon große Sorgen. Es ist wie auf einem Schulhof, wo es eine Gruppe von Jungs gibt, die selbst ernannten coolen Anführer, und zu denen muss man gehören, die müssen einen mögen oder wollen, sonst schafft man es kaum. Mich mochten die auch mal sehr, bis ich sie angefangen hab zu kritisieren.

Rebecca Pap am performen

4. Frage: Als eine von fünf Autor:innen bei 'Till Tonight', was war das für dich persönlich witzigste und was das beschissenste Happening bei den Arbeiten zur ersten Staffel?

Rebecca Pap: Ach mit Till find ichs eigentlich erstmal immer witzig. Das war einfach ein Sommer, in dem ich viel gelacht habe. Wir hatten jede Woche nach der Aufzeichnung eine Aftershowparty, wo wir mit Bierbänken auf der Wiese vorm Studio in Adlershof saßen und stundenlang geredet haben. Das war schon echt schön! Durch das Projekt durfte ich viele tolle Leute treffen und Friedrich Merz. Das beschissenste war das Wetter, auf jeden Fall das Wetter. Es ist absurd bei über dreißig Grad den ganzen Tag in einem stickigen, grauen Bürogebäude zu hocken und drauf zu warten, dass irgendwas anderes zustande kommt außer Migräne. Hitzefrei müsste es auch für Erwachsene geben, just saying.

5. Frage: Du hast deinen Fuß mittlerweile auch in der Podcasttür – beziehungsweise trittst du ebenjene mit Frau Gretel und 'Anti Alles' gefühlt eher ein. Wie herausfordernd ist es, dein Ego bei stetig wachsender Bekanntheit in einem permanent gesunden Gleichgewicht zu halten?

Rebecca Pap: Ach, das geht überraschend einfach eigentlich. Das, was ich sehr gerne mache, ist einfach gar nicht so tief in diese Promiwelt einzutauchen – es ist ja doch auch alles sehr langweilig, wenn wir ehrlich sind. Ich find die Leute, die neben mir in der U-Bahn sitzen, viel spannender als die Stars vom roten Teppich. Auch diese ganzen Partys, total uninteressant meistens.

Wir bestellen wirklich oft heimlich Essen oder hauen ab und setzen uns an einen Späti und verbringen da den Abend. Und dann merk ich immer 'krass, ich hab ja eigentlich schon alles, auch ohne diesen Job und Fame'. Klar das Geld ist nice und so einen impact haben zu können auch, aber wenn das hier nicht klappt, dann ist das auch vollkommen okay! Dann bin ich auch echt trotzdem glücklich und ich glaub, es ist das Wichtigste, dass einem das alles nicht zu wichtig wird.

Danke für deine Zeit!

Mit ihrem Programm Azizam ist Rebecca Pap bald in Deutschland unterwegs, unter anderem auch am 22. Oktober im Karli Comedy Club - im Keller des Nachtcafes - in Leipzig. Tickets und weitere Infos findet ihr hier.

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