Wenn dein Baumhaus zum Politikum wird

Das Sündenwäldchen ist ein kleines, aber feines Fleckchen Erde am Rande des Tagebaus Hambach – und steht nun im Fokus. Warum? RWE braucht Kies. Und wo findet man den? Genau, unter diesem idyllischen Wäldchen. 

Schon im November 2024 formierten sich etwa 230 Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen zu einer Menschenkette, um gegen die drohende Rodung des Sündenwäldchens zu protestieren. Mit roten Bannern und Slogans wie Stoppt Kohle oder Stoppt RWE machten sie auf die geplante Zerstörung aufmerksam. Ihr Anliegen: eine Vernetzung der verbliebenen Wälder statt weiterer Abholzung. Schließlich leben in diesem Ökosystem nicht nur Bäume, sondern auch streng geschützte Fledermäuse und andere Tiere. Ein Verlust dieses Lebensraums wäre ökologisch fatal.

RWE darf anscheinend machen, was es will

Während Aktivist:innen mit Baumhäusern und Barrikaden versuchten, den Wald zu schützen, zog RWE vor Gericht, um die Rodung des Sündenwäldchens durchzuboxen. Überraschenderweise erhielt der Konzern im Januar 2025 dafür grünes Licht vom Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen. Jenes entschied, dass die Rodung im Rahmen des Hauptbetriebsplans rechtmäßig sei.

Trotz des gerichtlichen Beschlusses formieren sich weiterhin Gruppen, die gegen die Rodung kämpfen. Denn es bleibt die Frage, wie zum Teufel es sein kann, dass trotz des beschlossenen Kohleausstiegs noch immer Wälder für den Kohleabbau herhalten müssen?! 

Der Wald lebt!

Während der Kohleausstieg bis frühestens 2030 beschlossen ist, scheinen einige Unternehmen und Politiker:innen noch nicht ganz mit der Idee abgeschlossen zu haben, dass Kohle nicht mehr das Nonplusultra ist. RWE argumentiert, dass bestimmte Rodungen notwendig seien, um den Tagebau sicher und effizient zu gestalten. Aber muss dafür wirklich jeder Baum fallen?

Schon im September 2018 versuchten Cops, die Baumhäuser zu räumen, und trafen dabei auf entschlossenen Widerstand. Aktivist:innen kletterten in die Bäume, blockierten Zugänge und setzten alles daran, den Wald zu schützen. Diese Aktionen zogen nicht nur nationale, sondern auch internationale Aufmerksamkeit auf sich und machten den Hambacher Forst zu einem Symbol für den globalen Klimakampf. Er ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Er zeigt die Konflikte zwischen Umweltbewusstsein und 'wirtschaftlicher Notwendigkeit', zwischen lokalem Widerstand und globaler Verantwortung.