Künstler beim Malen eines Bildes, der in Irland bald ein bedingungsloses Grundeinkommen erhält

06.01.26 t/redaktion b/claudio schwarz

Bye-bye, Existenzangst: Irland führt Grundeinkommen für Künstler:innen ein

Es war einmal ein erfolgreiches Pilotprojekt im Jahre 2022, das etwa 2.000 Artists und Kulturschaffenden wöchentlich 325€ auszahlte – also ungefähr 1.400€ im Monat – ohne Vorgaben, wie dieses Geld zu verwenden sei. Rund vier Jahre später ist ein Meilenstein erreicht und das sogenannte "Basic Income for the Arts" (BIA) wird ab Herbst 2026 dauerhaft in Irland eingeführt. Die Idee ist simpel: weniger Existenzangst = mehr kreative Freiheit. Und die Daten sprechen eine klare Sprache.

Denn laut offizieller Auswertung hat das Projekt nicht nur das Wohlbefinden der Teilnehmer:innen verbessert, sondern auch echte wirtschaftliche Vorteile erzeugt. Für jeden investierten Euro gab es etwa 1.39€ an gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Nutzen zurück – inklusive höheren künstlerischen Outputs, reduzierten Ausgaben für traditionelle Sozialleistungen und intensiverer Teilhabe am kulturellen Leben. Dieser Wert ergibt sich aus einer umfassenden sozioökonomischen Analyse der Pilotphase.

Vorteile für Gesellschaft und Individuum

Teilnehmende Künstler:innen berichteten über deutlich mehr Zeit für ihre Arbeit, weniger Stress und eine messbare Steigerung ihres kreativen Outputs. Eine Studie stellte fest, dass Empfänger:innen im Schnitt nicht nur mehr Stunden in ihr Schaffen investierten, sondern auch durchschnittlich 550€ mehr monatlich direkt in ihre künstlerische Arbeit investierten – Materialien, Studiomiete, Fortbildungen, you name it.

Das BIA entkoppelt also existenzielle Sicherheit von instabilen Auftrags- und Projektzyklen. Was früher bedeutete, jeden Morgen mit einem Fuß im Jobcenter aufzuwachen, kann heute heißen: konzentriert an der nächsten Ausstellung, Performance oder Platte arbeiten.

Auf gesellschaftlicher Ebene spricht der positive ökonomische Effekt für sich. Die Pilotphase generierte über 100 Millionen Euro an Netto-Nutzen für die irische Gesellschaft und zeigte, dass Kulturförderung eben keine blinde Subvention ist, sondern eine Investition mit nachweisbaren Erträgen.

Ist das ein Türöffner?

Das dauerhafte Programm soll im Herbst 2026 starten. Voraussichtlich können Interessierte sich in der ersten Jahreshälfte 2026 online bewerben, ähnlich wie beim Pilot: über ein Portal, in dem Kreativschaffende ihre Praxis belegen müssen. Die genauen Details und die endgültigen Kriterien stehen noch aus, werden aber rechtzeitig vom irischen Kulturministerium veröffentlicht.

Und was ist mit dem Rest der Welt? Irlands Vorstoß bleibt vorerst einzigartig, aber keinesfalls unbemerkt. Mehrere Länder beobachten das Programm genau, und selbst interkontinental gab es in den letzten Jahren auf lokaler Ebene bereits Projekte Richtung "Künstler-Grundeinkommen". Die Hürde, Sozialpolitik nicht nur mit erhobenem Zeigefinger, sondern auch mit einem kreativen Stift zu schreiben, scheint den meisten aber noch zu hoch.

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