11.12.25 t/redaktion b/nk tegelwippen
Tegelwippen: Wettbewerb um Pflanzen und Pflastersteine
Die Niederlande haben etwas ins Rollen gebracht, das globales Mitmachpotential hat: einen fröhlich-radikalen Städtewettbewerb, der Grau zu Grün und Nachbar:innen zu Klimaheld:innen werden lässt. Beim sogenannten „Tegelwippen“, wörtlich „Pflastersteine kippen“, zählt jede hochgewuchtete und entfernte Platte aus Gärten und öffentlichen Räumen, die durch Pflanzen oder Rasen ersetzt wird. So sollen Gemeinden und Städte grüner, kühler und widerstandsfähiger gegen Starkregen werden.
Wer hatte die Idee?
Der Wettbewerb "NK Tegelwippen" startete 2020 als findige Pandemie-Idee der Amsterdamer Agentur Frank Lee. Die Initiierenden suchten eine sofort umsetzbare Antwort auf urbane Klimaprobleme wie Hitzestau und Überschwemmungen, die durch versiegelte Flächen entstehen. Anstatt auf die Politik zu warten, mobilisierten sie die niederländische Bevölkerung mit einem einfachen, aber effektiven Wettbewerb, der anfangs vor allem die verwurzelte Rivalität zwischen den Städten Rotterdam und Amsterdam nutzte.
Die Umsetzung war und ist bewusst unbürokratisch: Bürgerinnen und Bürger werden aufgerufen, selbst Hand anzulegen, die Anzahl der entfernten Fliesen online zu melden und Vorher-Nachher-Fotos hochzuladen. Eine zentrale Website zählt anschließend die gemeldeten Quadratmeter und erstellt ein öffentliches Ranking, um die Gemeinden im freundschaftlichen Wettstreit um die "Goldene Fliese" gegeneinander antreten zu lassen. Dabei werden sowohl Orte mit der größten absoluten Zahl entfernter Steine ausgezeichnet, als auch die, die die meisten "Tegels" pro Tausend Einwohner:innen entfernen konnten.
Mitmachprojekt für Alle
Heute sind laut Medienberichten bereits über 200 niederländische Städte beteiligt, von großen Zentren bis zu Gemeinden, die man sonst kaum auf der Karte findet. Abertausend Steine wurden bereits entfernt – allein 2025 sind es knapp sechs Millionen – und damit wohl mehr, als viele Kommunen in Jahrzehnten systematischer Entsiegelung schaffen würden.
Die „Goldene Fliese“ ging in der diesjährigen Saison an Utrecht, das im Ranking mit 437.467 entfernten Bodenplatten vorne lag und dabei nicht nur auf kommunale Projekte setzte, sondern auch gezielt Nachbarschaften aktivierte. Die Zahlen wirken aber fast nebensächlich, wenn man die Stimmungsvideos und Bilder sieht. Ein ganzes Land entdeckt, dass Klimakompetenz kein technokratisches Projekt sein muss, sondern ein gemeinsames Aufatmen. Wer entsiegelt, schafft Raum für Kühlung, Biodiversität und bessere Wasserversorgung im Boden – und das in einer Geschwindigkeit, die viele städtische Großprojekte alt aussehen lässt.
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